| Synopse für das Fach
Deutsch (Gymnasium, Baden-Württemberg) |
| Mit der Entwicklung der Neuen Medien sind eine ganze Reihe von Lernhilfen
entstanden, die zumeist auf CD-ROM Schülerinnen und Schülern die
Möglichkeit bieten, nach individuellem Lerntempo, abgestimmt auf das
jeweilige Lernniveau, einzelne Fertigkeiten zu erweitern oder Defizite zu
kompensieren. Eine ganze Palette von Rechtschreibtrainern lässt ein
gezieltes Erweitern des normgerechten Schreibens auf spielerische Weise
zu. Der Einsatz ist im Deutschunterricht möglich und kann häusliches
Arbeiten anleiten. Einzeln oder in Gruppen lernen die Schüler auf diese
Weise, sich den Computer nutzbar zu machen. (Test eines Rechtschreibprogrammes
mit Schülern: (http://www.uni-ulm.de/schulen/gym/sgu/softtest/schuel.htm
) Darüber hinaus aber können die Neuen Medien wesentliche Lernziele des Deutschunterrichts in besonderer Weise unterstützen bzw. in einer sich verändernden (Lern-)Welt neu zur Geltung bringen. Der Erziehungs- und Bildungsauftrag, wie er im Bildungsplan von Baden-Württemberg formuliert ist, weist dem Deutschunterricht die Aufgabe "der sprachlichen und literarischen Bildung des jungen Menschen" zu. Der Deutschunterricht soll "die Schülerinnen und Schüler zum bewussten und selbstständigen, ebenso schöpferischen wie normgerechten Umgang mit der Muttersprache" führen. Lesen und Schreiben, Produktion und Rezeption von Literatur bilden somit ein System der Kommunikation, zu dem in Zeiten des Massenphänomens Internet auch Hypermedien, E-Mail, Chat und Internet-Foren gehören. Die Aufgaben des Deutschunterrichts erweitern sich dadurch entscheidend: Das Lesen von Hypertexten folgt eigenen Regeln (www.sondershaus.de/hyperlesen.htm ), das Schreiben von E-Mails ist eine Verknüpfung von schriftlicher Kommunikation (Fixierung des Inhalts) und mündlicher Kommunikation (Spontaneität und Schnelligkeit), in virtuellen Foren und anonymen Chaträumen wird das sozialkompetente, d.h. verantwortliche Handeln des Einzelnen gefordert. Ob Teil einer Unterrichtseinheit oder als eigenständiges Projekt, diese Gesichtspunkte lassen sich nur "praxisnah" unterrichten. Die Neuen Medien können als Werkzeuge für Rezeption und Produktion von Literatur nutzbar gemacht werden (Prof. Schrey nennt den Computer deshalb ein neues "Lese- und Schreibzeug", in http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/lefobi/neumed/) Einige Beispiele sollen diesen Werkzeug-Charakter verdeutlichen: Die Beschäftigung mit Literatur ist immer auch ein produktiver Prozess. Mit dem Einsatz vernetzter Computer-Systeme, wie sie in den Schulen vorzufinden sind, ist es möglich, dass Gruppen-Arbeitsergebnisse von anderen rezipiert und weiterverwendet werden. Auf diese Weise kann ein sehr hohes Maß an Aktivität und Kommunikation hergestellt werden, wenn es gilt, Arbeitsteilung in Vor- und Nachbereitung zum Klassenunterricht zu organisieren. Es werden dabei auch die Grundlagen für den fächerverbindenden Unterricht gelegt, denn die Arbeitsergebnisse können zeitlich und räumlich versetzt wieder zur Verfügung gestellt und weiterentwickelt werden (Erörterung im lokalen Netz: http://www.sondershaus.de/eroerterung) Der Einbezug von Medien im Deutschunterricht wird an zahlreichen Stellen des Lehrplans gefordert. So lautet eine Zielvorgabe:"Dabei gewinnen die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihnen den selbstständigen und kritischen Umgang mit dem Angebot der Medien ermöglichen." Ist das Medium Buch selbstverständlicher Teil des Deutschunterrichts wie die Bühne oder der Film, so ist es naheliegend den viele Medien einschließenden Computer als Medium ernst zu nehmen. Es ist es möglich, mithilfe von Präsentationsprogrammen den Bildschirm wie eine Bühne für Inszenierungen zu nutzen: Standbilder (herkömmlich oder mit Digitalkamera aufgenommen) können beliebig in Szenen eingebaut werden, der "Bühnenraum" ist veränderbar und lädt zu zahlreichen Experimenten ein. So lassen sich zahlreiche Fragestellungen auf sinnliche Weise lösen – Was bewirken Farbe und Perspektive ? Wie sollen die Figuren in der Szene arrangiert werden? usf. (http://sondershaus.de/buehne ) Literatur und Kontext aufeinander zu beziehen ist ein weiteres Einsatzgebiet des vernetzten Computers. Eine Fülle von Materialien stehen auf CD-ROM und im Internet zur Nutzung zur Verfügung, verschiedene Programme lassen das Kombinieren von Materialien (Sprache, Musik, Farben, Bilder, Grafiken, Text-Zeichen) auf sehr einfache Weise zu. Im Netz finden sich verschiedenste Beispiele, zumeist in Projekten (http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/itgdeutsch.shtml) Auf spielerische Weise kann mit den Neuen Medien in die Textgestaltung eingegriffen werden und so dem Inhalt in eine andere Form (Satzspiegel, Schriftart, Farbe) gegeben werden. Sei es in parodistischer Absicht oder in perspektivischer Zuspitzung, es wird sehr leicht und "augenfällig", welche Bedeutung die Form für den zu transportierenden Inhalt hat. Auch das Verändern von Werbeanzeigen kann eindrückliche Erfahrungen vermitteln und den Rezeptionsprozess bewusst machen. Filmanalysen durch Einbezug von Standbildern und Filmsequenzen lassen sich von Schülerinnen und Schülern am Computer zielgerichtet und technisch weniger aufwändig als mit Videogeräten durchführen. Dabei sind Standbilder häufig aufschlussreicher und analyse-freundlicher als lange Filmszenen. (http://www.sondershaus.de/filmanalyse ) Der Einsatz des Werkzeugs Computer im Deutschunterricht ist damit immer ein Beitrag zur Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler: Es schließt die bewusste Mediennutzung, die Medienkritik und die Mediengestaltung ein. Dadurch werden die Fähigkeiten der Reflexion, der Kommunikation, der Informationsgewinnung und -verarbeitung und die Kreativität der Schüler innen und Schüler gefördert. (siehe auch http://lbs.bw.schule.de/online-forum) |